
Gender
Vom 3. bis 5. 12. 07 wurden ich und mein Kollege Gerhard Ramharter als „Wiener Abordnung“ zum Genderthema ins Ministerium geladen – zum Seminar: BundesexpertInnengruppe „Burschen- und Mädchenbildung“ Frau MR. Mag. Renate Saipt hatte interessante ReferentInnen und auch die TeilnehmerInnen der einzelnen Bundesländer brachten beachtenswerte Beiträge und Ideen mit. Da mir und meinem Kollegen klar geworden ist, dass wir dort eigentlich alle Wiener Berufsschulen vertreten haben, sehen wir es jetzt als unsere Pflicht an, einen kurzen Bericht darüber abzugeben bzw. Tipps und Infomöglichkeiten, wie wir das Genderthema anpacken können, weiterzuleiten. Die erste Referentin, Frau Mag. Schneider (sie kam mit Frau Mag. Traunsteiner) vom Verein EFEU sprach über „Gendersensible Pädagogik“ Die MitarbeiterInnen des Vereins beschäftigen sich schon seit langem damit, ob im System Schule, so wie es derzeit ist, Buben und Mädchen gleich gut lernen können. Sie durchleuchten pädagogische Gestaltungen, Sprache, Lehrbücher aber auch Strukturen und Einrichtungen, ob sie zur Herstellung gleicher Lernchancen beitragen. Es ist bekannt, dass Mädchen zwar besser in der Schule sind, es aber im Erwerbsleben nicht adäquat umsetzen können und es wurde erwähnt, dass Koedukation nicht immer nur Vorteile hat. Wir SeminarteilnehmerInnen betrachteten irritierende, nicht ganz genau erkennbare Bilder von Menschen und erkannten, wie viele Details wir bezüglich der Rollenzuschreibung vorweg einmal annehmen. Weil wir damit selbst seit frühester Kindheit konfrontiert sind, merken wir es nicht mehr (Anm. von mir). Mag. Schneider nahm Stellung zu einem Aspekt der neuen Pisa-Studie: in Österreich verlieren Mädchen das Interesse für Mathematik und Physik während ihrer Schullaufbahn stetig. Da es in anderen Ländern nicht so ist, wird eine Erklärung gesucht. Am Beispiel Schweden zeigte sie, dass sich höchste Frauenerwerbsquote und hohe Geburtenrate nicht ausschließen. Z.B. haben sich dort mehr Männer dazu entschieden, eine Zeit lang beim Kind zu Hause zu bleiben, als Geburtsvorbereitungskurse für Männer angeboten wurden. Wenn sie sich intensiv mit kleinen Kindern beschäftigen, können auch Väter so genannte Fürsorgehormone produzieren. Auch in den Anforderungsprofilen für Führungskräfte kommen diese Versorgungskomptenzen gut an. Sie gab noch einmal bekannt, dass das geschlechtergerechte Formulieren den Rang einer Rechtsvorschrift hat. Frau Mag. Traunsteiner stellte uns das Genderportal vor. www.gender.schule.at Der Menüpunkt „Materialien/Unterrichtsmaterialien“ enthält eine umfangreiche Methoden- und Materialiensammlung! Auch Filme und ein Quiz sind dabei. Die Materialien sind nach Schulstufen und nach Alphabet geordnet. Neu ist auch der Infopunkt über die Gendertage. Darüber hinaus machen die Mitglieder des Vereins EFEU zusammen mit LehrerInnen diverse Projekte in verschiedenen Schultypen, derzeit viele mit Migrationshintergrund. Wer Interesse an solchen Projekten hat, möge sich an Fr. Dr. Guggenberger im Frauenministerium wenden, die sich um die Finanzierung über SCHILF kümmert. Auch die Broschüre der AK „Auf dem Weg zur Chancengleichheit“ – speziell für BS-LehrerInnen - wurde uns näher gebracht, die als Volltext im Internet zum Herunterladen zur Verfügung steht. (Enthält ebenfalls vieles, das man 1:1 im Unterricht umsetzen kann, auch Rollenspiele, Beratungsstellen, Kurse, Literaturliste, Links, u.v.m.) Herr Rosenstingl vom Familienministerium vergibt Prädikate für Computerspiele und entführte uns in die Welt von Kriegern und Sagengestalten. Auf der Website www.bupp.at findet sich eine laufend aktualisierte Liste empfehlenswerter Computer- und Konsolenspiele. Darüber hinaus bietet die Website zahlreiche weitere Informationen zum Thema, speziell für Eltern, PädagogInnen und Jugendliche. Während es unter uns LehrerInnen eher Vorbehalte gegen brutale Kriegsspiele gab, brachte er ein, dass auch Jugendliche zwischen Spiel und Ernst unterscheiden können. (Ganz konnte er meine nicht ausräumen!) Es gibt sogar Schulprojekte „Machinima.dot.com“, wo von SchülerInnen Filme produziert werden können. Auf www.saferinternet.at gibt es einen Link zum Internetombudsmann. Dort bekommt man Beratung bezüglich Kostenfallen und es gibt Tipps für Kinder, angeblich auch Schulprojekte und Unterrichtsmaterialien – vermutlich für kleinere Kinder. Herr Leeb, ein Sonderschullehrer, der in diversen Einrichtungen Bubenarbeit anbietet, stellt sich zunächst mit einem Diavortrag auf humorvolle Art selbst vor (seine Geschichte ist auf dem Genderportal/Gender Day zu finden) und lässt uns dann spielen! 6 Männer stellen 6 Frauen im Kaffeehaus dar. 6 Frauen stellen 6 Männer im Zug dar. Es war zum Zerkugeln! Er zählt uns Filme auf, die andere Rollenentwürfe für Buben anbieten als die üblichen Heldengestalten bzw. vice versa auch für Mädchen „La vie en rose“ (Bub der sich als Mädchen fühlt) „Hass“ (1995, Banlieue Frankreich, 3 Jugendliche im Zentrum der Gewalt) „Kick it like Beckham“ (da geht es um Mädchen, die Fußball spielen ) Website: www.neue-wege-fuer-jungs.de Mannopoli Onlinespiel (von der Sprache her sehr bundesdeutsch) Wichtig bei der Bubenarbeit ist, dass es reine Bubengruppen sind. Kaum ist ein Mädchen dabei, sagen die Buben nichts mehr. Dagegen kann die Leiterin aber auch eine Frau sein. Ziel dieser Arbeit ist, dass Buben mehr zu sich selbst finden, sich mehr spüren können. Er lässt die Kinder z.B. in einen Menschenumriss mit Farben einzeichnen, wo, wie und von wem sie an diversen Körperstellen berührt werden wollen oder dürfen. Nachher wird viel darüber geredet. Schließlich stellt uns Christine Heindl ihr Projekt „GeKoS“ (GenderKompetenzSchule) vor, an dem die BS Eisenstadt bereits teilnimmt. Eine Vorgabe, die nicht so leicht nachzumachen ist! Bitte reinschauen in: www.bs-eisenstadt.at Auch andere KollegInnen aus den Bundesländern konnten so einiges berichten, was bei ihnen zu diesem Thema schon alles in die Wege geleitet wurde. Auch wir würden uns freuen, wenn wir über Gender- Aktivitäten an Wiener Berufsschulen - die zweifellos stattfinden – von den LehrerkollegInnen etwas erfahren könnten, damit sie mehr zum Vorschein kommen. Herzliche Grüße BOL Eva Reichmann, BOL Gerhard Ramharter
|